Wie emanzipiert ist der weibliche* Sex von heute?

Wie emanzipiert ist der weibliche* Sex von heute?

Sex, so wie wir ihn in unserer Gesellschaft kennen, ist, dass der Penis in die Vagina eindringt und mit Stößen penetriert. Vorspiel ist natürlich in den Köpfen angekommen und es wird Oralverkehr durchgeführt. Laut einer kanadischen Studie aus dem Jahr 2016 wird mehr geblasen als geleckt. 63% der befragten Männer* gaben an, bei ihrem letzten Sex oral befriedigt worden zu sein, im Gegensatz zu 44% der Frauen*. Dieser Gap bezieht sich auf heterosexuelle Personen, bei homosexuellen Paaren gehen viele davon aus, dass es diesen Oral Sex Gap nicht gibt. Warum es diesen bei Heteros gibt, lässt sich nur vermuten. Trauen sich Frauen* nicht, Oralsex einzufordern? Steht die Lust des Mannes* im Vordergrund? Schämen sich Frauen* für ihre Vulven? 

Oder hat es gar etwas mit Pornos zu tun? 

In Pornos ist die knieende, unterwürfige Frau*, die einem Mann* einen Blow Job gibt, die Regel. Ein Mann*, der eine Frau* leckt, ist seltener. 



Standardprogramm in einem Porno: Blasen, vaginaler harter Sex, Analsex und in das Gesicht der Frau* spritzen - Ende.



Viele glauben dieses Programm im heimischen Schlafzimmer ähnlich ausführen zu müssen. Frauen* lassen dies oftmals über sich ergehen, frau darf nicht prüde wirken und möchte gefallen. 

Es gibt Menschen, die wollen diese Art von Sexualität leben und das ist vollkommen in Ordnung. Jeder sollte das tun, was ihm oder ihr gefällt. Jedoch liegt genau da der Punkt. Viele denken nicht darüber nach, was sie in ihrer Sexualität wirklich wollen. 

 „Es braucht einen Sex, der es wert ist, gewollt zu werden.“ -sex worth wanting - Peggy J. Kleinplatz 

Man braucht eine Reflexion über den Sex, den man hat. Will ich diesen Sex? Oder habe ich diesen Sex, den ich habe, weil es mir mein*e Partner*in oder/und die Gesellschaft so vorschreibt? 

Wieviel Lust bleibt auf einen Sex, der mir nicht entspricht? Immer mehr Menschen, Frauen* sowie Männer*, klagen über Lustlosigkeit, was nicht verwundert, wenn ich Sexualität so lebe, wie es mir eine Norm vorschreibt. Diese Norm wird von Pornos, Filmen, Modetrends und der Gesellschaft bestimmt.

Emily Nagoski schreibt in ihrem Buch, Komm wie du willst: 



„Du bist normal; aber die Welt um dich herum ist gestört.“ 



Es wird wenig über Sex gesprochen, aber man will doch mehr und besseren Sex haben, als die Nachbarn. Sexuelle Probleme, wie Lustlosigkeit, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und viele weitere werden öffentlich nicht angesprochen. 

Im Bett herrschen Leistungsdruck, Schamgefühle und Minderwertigkeitskomplexe. Diese werden mit ausgefallenen Praktiken und Porno Gebumse unterdrückt, und zwar so stark, dass man selbst glaubt, dieser Sex war geil. War er aber wirklich für alle Beteiligten so gut? 

Warum haben so viele Frauen* das Gefühl nicht normal zu sein in ihrer* Sexualität? Will man nur „Blümchensex“, ist man prüde, will man sich ausleben, ist man eine „Schlampe“. Auf der Suche nach dem besten Sex, haben wir das Gefühl wir verlaufen uns in Irrwege des vermeintlich Abnormen. 



Was wäre, wenn wir einfach erkennen, dass wir normal sind. Dass es normal ist viel Lust zu haben, genauso wie keine Lust zu empfinden. Dass es normal ist keinen Orgasmen beim Sex zu haben und ebenso normal viele zu bekommen. Du mit deiner Sexualität bist normal. 



Was wäre, wenn…

Was wäre, wenn wir uns nichts mehr von der Werbeindustrie, von Pornos und der Gesellschaft einreden lassen, sondern uns mit unserer Sexualität akzeptieren? 

Was wäre, wenn wir unsere Sexualität akzeptieren und wirklich den Sex haben, welchen wir wollen?

Was wäre, wenn wir niemanden wegen seiner Sexualität verurteilen?

Was wäre, wenn wir den Mut hätten uns authentisch in der Sexualität zu zeigen, auch wenn wir uns gerade verletzlich fühlen?

Wir wären auf alle Fälle freier, glücklicher und befriedigter. 



Quellenangaben:

Studie zu Oralsex:

https://www.utpjournals.press/doi/10.3138/cjhs.251-A2

Sex worth wanting, Kleinplatz 2012, Buch: Der erotische Raum (Angelika Eck), Lustlosigkeit als Kompetenz – Zur Dialektik von Nein und Ja (Ulrich Clement)

Emily Nagoski Komm, wie du willst Das neue Frauen-Sex-Buch: „Du bist normal; aber die Welt um dich herum ist gestört.“ 

Viva La Vulva Gastautorin:

Claudia Janu

Claudia ist Sexualpädagogin und spezialisiert sich auf das Thema weibliche* sexuelle Lust. Ihr Wunsch ist es, Menschen dabei zu begleiten ihre eigene sexuelle Kraft voll zu entfalten.

Wenn du mehr über Claudia erfahren möchtest, sieh dich gerne auf ihrer Facebook Seite: Entfalte deine Lust um oder folge ihr auf Instagram: claudia.janu.

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